Aningre blancLonghi blanc
In Afrika sind mehrere botanische Arten der nahe verwandten Gattungen
Aningeria, Breviea, Donella, Gambeya Gambeyobotrys und Malacantha
verbreitet, deren Hölzer sich oft in Färbung und Struktur gleichen oder
besonders ähneln. Aufgrund
der dadurch erschwerten Abgrenzung von Artengruppen entstanden sich
teils überschneidende und of verwirrende Holzbezeichnungen; die hier
angewendeten und sich allgemein durchsetzenden Bezeichnungen gehen vor
der geographischen Herkunft und nicht mehr von der botanischen
Gattungszugehörigkeit aus. Demnach werden alle hellfarbigen Hölzer
ähnlicher Struktur der oben genannten Gattungen als "Aningre blanc"
bezeichnet, wenn diese au: Liberia, der Elfenbeinküste oder aus Ghana
stammen; dagegen werden alle aus Kamerun, Äquatorialguinea, Kongo,
Gabur oder Zaire importierten Hölzer als "Longhi blanc" benannt. -
Innerhalb dieser regionalen Gruppierung fallen vier Hölzer von
verschiedenen Gattungen durch ihre fast gelblichweiße Farbe auf, die im
gesamten westlichen Afrika vorkommen. Im Gegensatz zu diesen
beiden regionalen Gruppen von gelblichen bis blaß rötlichen Hölzern
werden die schon deutlich rötlichen und damit dem verwandten Makoré
ähnlichen Hölzer als "Aningré rouge" beziehungsweise "Longhi rouge"
bezeichnet. - Das hauptsächlich von der Elfenbeinküste stammende
"Akatio" (Gambeya africana) nimmt wegen seines fast hellachsfarbenen
Holzes eine Zwischenstellung ein.
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| Botanische Bezeichnungen |
Aningeria altissima, Aningeria robusta und andere; Gambeya albida, Gambeyi delevoyi und andere; Breviea lepto spermis; Donella pruniformis; Gambeyobotrys gigantea; Malacantha alnifolia; Familie der Sapotaceen.
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| Natürliche Verbreitung |
Aningre blanc - Elfenbeinküste, Ghana, Liberia; Longhi blanc - Angola, Äquatorialguinea, Gabun, Kamerun, Kongo, Zaire; beide Gruppen außerdem in Zentral- und Ostafrika.
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| Weitere Handelsnamen |
Abam, Akatio*), Aningueri blanc, -vrai, Grogoli, Koandio, Osam; *) siehe oben. |
| Kurzzeichen nach DIN 4076 Blatt 1 |
ANI/LON (die Farbgruppen "blanc" und "rouge" einschließend) |
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| Beschreibung |
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| Stammform |
Geradschäftig und am Stammfuß durch Wurzelanläufe
teils deutlich spannrückig; Durchmesser 0,6 bis 1,3 m und astfreie
Schäfte bis 16 m. |
| Farbe und Struktur des Holzes |
Splint und Kernholz im frischen Zustand meist gelblich grau und ohne
deutliche Begrenzung. Bei der Trocknung und bei der Furnierherstellung
in den hellen Partien oft gelblich, rosa bis rosagrau, dabei an
Schnittstellen und Rissen leicht durch Einlauf grau bis blaß rotbraun
verfärbend. Die gelblichen Hölzer werden bei den Arten Gambeya begui,
Breviea leptospermis, Donella pruniformis und Malacantha alnifolia
beobachtet. Poren
mittelgroß, zerstreut und häufig in längeren radialen Gruppen. -
Holzstrahlen fein, das Holzbild nicht beeinflussend. - Speicherzellen
nur auf glat. ten Querschnitten mit der Lupe al: feine, dicht folgende
tangentiale Band stücke noch erkennbar. - Zuwachszonen, von Art und
Standort abhängig, mit verschieden deutlich augeprägten
Spätholzstreifen, die auf Radialflächen am deutlichsten sind.
Faserverlauf gerade, leicht wechseldrehwüchsig bis geriegelt. - Die
vorher genannten vier hellen Arten sind auffällig schlicht.
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| Gesamtcharakter |
Überwiegend schlichte, teils durch Spätholz farbstreifige Hölzer, von gelblicher bis hell rosa Kernfärbung. |
| Abweichungen |
Rötliche, bis mehrere Zentimeter große Flecken, Streifer oder auch dunkle Gallen und teils auch mit kreidiggrauen Streifen. |
| Handelsformen |
Rundholz von 0,6 bis 1,2 m Stärke und 4 bis 8 m Länge;
Blockware in beliebigen Maßen; Messer- und Schälfurniere naturfarbig
(unbehandelt), durchgefärbt oder bedruckt. |
| Daten |
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| Gewicht |
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| - ungetrocknet (Rundholz) |
ca. 900-1000 kg/cm³ |
| - darrtrocken |
ca. 0,55-0,65 g/cm³ |
| Druckfestigkeit (lufttrocken) |
ca. 55-65 N/mm² |
| Biegefestigkeit (lufttrocken) |
ca. 95-105 N/mm² |
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(Durchschnittswerte aus Aningeria- u. Gambeya-Arten) |
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| Eigenschaften |
Mäßig harte Hölzer mit entsprechenden Fgstigkeitseigenschaften,
die im feuchten Zustand ohne Schwierigkeiten zu bearbeiten sind. Dagegen kann
bei der Bearbeitung des Holzes von Arten der Gattung Aningeria und allen
gelblichen Hölzern ein starkes Stumpfen der Werkzeuge auftreten. Diese
Erscheinung wird durch mikroskopisch feine Kieseleinlagerungen im normal
gewachsenen Holzverursacht. Verschraubungen, Nagelungen und Verleimungen sind
von guter Haltbarkeit. Die Trocknung von Schnittware verläuft überwiegend
schnell und bei stärkeren Dimensionen mit geringen Verformungen; bei einzelnen
Stämmen ist aufgrund besonderer Spannungen eine starke Rißbildung möglich. - Das
Stehvermögen ist befriedigend, so daß bei Vollholzverwendung keine konstruktiven
Einschränkungen bestehen. Alle Aningre-/Longhi-Hölzer sind gegen Pilzbefall
nicht ausreichend widerstandsfähig. |
| Oberflächenbehandlung |
Aningre kann nach den bisherigen Erfahrungen mit allen im
Innenausbau und bei Möbeln gebräuchlichen Verfahren und Mitteln ohne
Schwierigkeiten behandelt werden. Eine besonders breite Anwendung finden alle
färbenden Verfahren, sei es Bedrucken oder Durchfärben zum Austausch für andere
Arten, wie Nußbaum, wofür sich diese meist neutral strukturiererten Hölzer
hervorragend eignen.
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| Verwendungsbereiche |
Aningre ist in seiner Anwendung auf Möbel und den Innenausbau
beschränkt, konnte aber hier in kurzer Zeit eine besondere Bedeutung erlangen.
Als Vollholz wird es im Gestellbau für Sitzmöbel, stark profilierte oder
geschnitzte Möbelteile und für Leisten, meist gebeizt oder patiniert,
eingesetzt. Stark geriegelte Qualitäten haben sich auch im Musikinstrumentenbau
bewährt. Im Innenausbau wird es auch wegen der guten Kantenfestigkeit für
Fußleisten, Türfutter, Bekleidungen sowie als Profilbrett für Decken- und
Wandbekleidungen verwendet. Als Furnier wird es in Naturfärbung, gebeizt,
durchgefärbt oder bedruckt als Austauschholz für Nußbaum (Black Walnut), in blaß
rosa Qualitäten für Kirschbaum oder für helle Hölzer, wie Birke oder Ahorn,
verarbeitet. Austauschhölzer Kirschbaum (M. 65) und
Nußbaum (M. 64). Evino (Vitex ciliata u.a.), Kumbi (Lannea welwitschii), Balata
blanc (Micropholis sp.), Couratari (Couratari sp.), Lenga (M. 56). (siehe
Anmerkungen).
Anmerkungen In der Familie der
Sapotaceen sind noch weitere Gattungen, deren Arten eine entsprechend
mittelgroße und zerstreute Porung besitzen sowie eine nur schwache oder gar
fehlende Kernfärbung aufweisen: In Südasien das „Nyatoh" der Gattung Palaquium
und aus Papua-Neuguinea das „White Planchonella" der Gattung Planchonella. - Die
gelegentlich im Importhandel benutzte Bezeichnung „ Tanganyika Nußbaum" sollte
als irreführender Name für Aningre vermieden werden.
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| Literatur |
Dahms, K.-G.: Aningre I/II; in Holz- und Kunststoffverarbeitung,
Nr. 1/2, 1971 Stuttgart. Gottwald, H.: Handelshölzer. Ferdinand
Holzmann-Verlag, Hamburg 1958. Normand, D.: Les Aningre, Sapotacees de Cöte
d'Ivoire et leurs Bois, in Bois et Forêts des Tropiques. Nr. 134, 1970,
Nogent-sur-Marne/F. Richter, H.-G., u. Roth, E.: Die westafrikanischen
Handelshölzer Aningre und Longhi: Zusammensetzung, Unterscheidung und
Benennung.
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